Pressemitteilung

Neue Therapie für fortgeschrittene Tumore mit RET-Alterationen

Retsevmo® erhält EU-Zulassung zur Behandlung von Patienten mit NSCLC oder Schilddrüsenkarzinomen

Eli Lilly gibt bekannt, dass die EU-Kommission (EMA) den RET-Inhibitor Selpercatinib (Retsevmo® 1,a ) in der Europäischen Union parallel in drei Indikationen bedingt als Monotherapie zugelassen hat: 1,a

  • Erwachsene mit fortgeschrittenem RET-Fusions-positivem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC), die eine systemische Therapie nach Platin-basierter Chemotherapie und/oder einer Behandlung mit Immuntherapie benötigen.

  • Erwachsene mit fortgeschrittenem RET-Fusions-positivem Schilddrüsenkarzinom, die eine systemische Therapie nach einer Behandlung mit Sorafenib und/oder Lenvatinib benötigen.

  • Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren mit fortgeschrittenem RET-mutierten medullären Schilddrüsenkarzinom (MTC), die eine systemische Therapie nach einer Behandlung mit Cabozantinib und/oder Vandetanib benötigen.

Mit Selpercatinib steht nun erstmals ein hochselektiver Inhibitor von RET zur Verfügung, der die tumorfördernde Aktivität dieser Alterationen hemmt. 1 Die drei Zulassungen von Retsevmo® 1,a beruhen auf den Ergebnissen der Phase I/II Studie LIBRETTO-001, in der die Wirksamkeit und Verträglichkeit in diesen Indikationen belegt wurde. 2,3

LIBRETTO-001 a : Hohe Ansprechraten in allen Indikationen
Relevant für die Zulassung beim mNSCLC waren die Ergebnisse von 105 Studienteilnehmern, die zuvor neben einer platinbasierten Chemotherapie oft auch Checkpoint-Inhibitoren und/oder Multikinase-Hemmer erhalten hatten.
2 Die Behandlung mit zweimal täglich 160 mg Selpercatinib ermöglichte im primären Endpunkt eine hohe objektive Ansprechrate von 64 %, die unabhängig von der Zahl der Vortherapien oder der Art des RET-Fusionspartners war.

Basis der Zulassung beim fortgeschrittenen RET-Fusions-positiven Schilddrüsenkarzinom waren 19 Patienten, die nach einer Radiojod-Therapie mit einer weiteren systemischen Therapie, ohne radioaktives Jod, behandelt worden waren, insbesondere mit Sorafenib und/oder Lenvatinib. b,1 Auch hier konnte Selpercatinib eine hohe objektive Ansprechrate von 79 % zeigen. 3

Die Zulassung beim fortgeschrittenen, RET-mutierten, medullären Schilddrüsenkarzinom beruhte auf 55 Patienten ab 12 Jahren, die zuvor Cabozantinib und/oder Vandetanib erhalten hatten. 3 Bei ihnen konnte Selpercatinib eine hohe objektive Ansprechrate von 69 % bewirken, die unabhängig von der Art der RET-Punktmutationen war. 3

Verträglichkeit und Handhabbarkeit
Selpercatinib zeigte in LIBRETTO-001 ein recht gut handhabbares Nebenwirkungsprofil. Häufigste therapieassoziierte unerwünschte Ereignisse vom Grad 3 oder höher waren Hypertension sowie erhöhte Werte der Alanin- und der Aspartat-Aminotranferase, die durch Dosismodifikationen meist reversibel waren. Zwei Prozent der Teilnehmer brachen die Studie aufgrund therapieassoziierter Nebenwirkungen ab.
1,2,3

RET-Testung als Voraussetzung für die Behandlung mit Selpercatinib
Um eine Behandlung mit Selpercatinib initiieren zu können, ist immer eine molekularbiologische Abklärung des RET-Status erforderlich. Hierbei sollte das Vorhandensein einer RET-Mutation (MTC) oder einer RET-Genfusion (nicht medulläres Schilddrüsenkarzinom, NSCLC) durch einen validierten Test bestätigt werden. Neue Richtlinien der ESMO empfehlen hierfür den frühzeitigen Einsatz von erweiterten Marker-Panelen für das Next-Generation-Sequencing (NGS).
4

PP-MG-AT-0154, März 2021

a Bedingte Zulassung: Dieses Arzneimittel wurde unter „Besonderen Bedingungen“ zugelassen. Das bedeutet, dass weitere Nachweise für den Nutzen des Arzneimittels erwartet werden. Die Europäische Arzneimittel-Agentur wird neue Informationen zu diesem Arzneimittel mindestens jährlich bewerten und, falls erforderlich, wird die Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels aktualisiert werden.

b Die Zulassung umfasst Patienten, die eine systemische Therapie nach einer Behandlung mit Sorafenib und/oder Lenvatinib benötigen.

1. Fachinformation Retsevmo , Stand Februar 2021.

2. Drilon A. et al. Efficacy of Selpercatinib in RET Fusion–Positive Non–Small-Cell Lung Cancer. N Engl J Med 2020; 383:813-24. DOI: 10.1056/NEJMoa2005653.

3. Wirth L.L et al. Efficacy of Selpercatinib in RET-Altered Thyroid Cancers. N Engl J Med 2020;383: 825-35. DOI: 10.1056/NEJMoa2005651.

4. Mosele F. et al. Recommendations for the use of next-generation sequencing (NGS) for patients with metastatic cancers: a report from the ESMO Precision Medicine Working Group 2020; DOI:https://doi.org/10.1016/j.annonc.2020.07.014